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A man like a campfire: Rich Roat (1965–2017) // Ein Mann mit Lagerfeuerqualitäten

Some people you miss and care about even when you only met them once. // Manche Menschen vermisst man sofort. Ein Nachruf.

(Please scroll down for English version.)

„Sag ihnen, ich schäme mich für alles, was momentan in den USA passiert. Danke, dass ihr mich trotzdem eingeladen habt.“ Samstag, 27. Mai 2017 auf der TYPO Berlin: Direkt vor seinem Auftritt, wir stehen kurz noch zusammen bei den Technikern an der großen Bühne im Haus der Kulturen, gibt mir der US-Amerikaner Rich Roat Auskunft auf die Frage, was ich bei meiner Ansage für ihn berücksichtigen sollte.

Am Vorabend erst hatten wir uns kennengelernt. Stundenlang saßen wir beim Sprecheressen zusammen – und es ging nicht um Design, oder kaum. Oder anders. Es ging um das Leben, die Lieben, die Politik. Es ging ad hoc ans Eingemachte. Selten habe ich jemanden erlebt, der so schnell auf den Punkt kommt. Im Nachhinein könnte ich spekulieren, dass Rich Roat keine Zeit zu verlieren hatte. Das haben wir letztlich alle nicht; nur verhalten wir uns ausgesprochen selten danach.

Es gibt diese Ausnahmen: Menschen, die ohne jeden Vorbehalt aufeinander zugehen. Wärme, Interesse und Klugheit verströmend, großzügigst und selbstverständlich. Vom ersten Augenblick einer Begegnung an. Ohne großes Getue. Kontext wurscht, Status wurscht, Berühmtheit – who cares? Wir zwei unterhalten uns jetzt, wer bist du, was denkst du, das interessiert mich, und was dich? Kein Wunder, dass wir an unserem kleinen Tisch in der Ecke (wir saßen in enger Runde zusammen mit meinem Mann Lucas de Groot, andere kamen dazu) nicht mehr voneinander wegkamen und die Gespräche immer spannender und persönlicher wurden. Rich Roat hat Lagerfeuerqualitäten: Man setzt sich zu ihm und es wird wohlig und warm. Und man bleibt sitzen, es wird nicht langweilig, sondern immer besser. Es leuchtet weiter.

Wir alle wären sehr gern noch viel länger mit ihm zusammengesessen.

Schwer vorstellbar, sehr traurig zu hören, dass Rich Roat (im Alter von 52 Jahren) gestorben ist. Wie ein erschrockenes, entsetztes Lauffeuer ging es durch die Type Design Community; wie traurig muss es sein für seine Familie, Freunde, Wegbegleiter, ihn zu verlieren. Unsere Gedanken sind bei ihnen. Rich Roat war verheiratet (mit der Autorin Sharon Huss Roat), Vater von zwei Kindern (Sebastian und Anna) und eingebettet in seine Nachbarschaft in einem Vorort von Hockessin, Delaware. Er war engagiertes Mitglied der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr, begeisterter Sportler (Schwimmen, Radfahren), Besitzer einer alten BMW und einer Espressomaschine von 1952. Außerdem hat Rich Roat (zusammen mit Andy Cruz) House Industries gegründet: wohl das zeitgenössisch wichtigste, einflussreichste, sympathischste Design Studio der Vereinigten Staaten. Das nur am Rande – und so habe ich es dann auch auf der Bühne gesagt.

Es hat ihm gefallen.

Wir sind alle sehr traurig.

Vielen Dank für eine wunderbare Begegnung und einen tollen Vortrag auf der TYPO, lieber Rich Roat. Ruhe in Frieden.

Das mit der US-Politik übrigens hat er dann selbst noch gesagt.

Als „heimliches“ Dankeschön hinterließ er mir ein Exemplar ihres Buches. // Rich left me with a copy of the House Industries book, published November, 2016.

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“Tell them I’m terribly sorry for what happens in the US lately. Thank you for still inviting me!” Saturday, May 27th, 2017 at TYPO Berlin: right before his talk, we were standing together at the technicians desk next to the big stage in the hall of the House of World Cultures. Rich Roat answered my question about “anything in particular” I should consider when announcing him.

We got to know each other only the evening before. We spent hours sitting together at the speakers dinner – and it was not about design, or almost not. Or somewhat differently. We spoke about life, about love, about politics. Essentials, at once. Rarely have I met someone who comes to the point so quickly. In hindsight, I could speculate that Rich Roat had no time to lose. We all have no time to lose, in the end; only very seldom we behave like it.

There are these exceptions: people who without any reservation approach each other. Warmth, interest and wisdom flowing, generous and self-evidently. From the very first moment of an encounter. Without much fuss. No matter the context, no matter your status, celebrity – who cares? Hey, it is us talking, so who are you, what do you think, this and that interests me, and how about you? No wonder we could not get away from each other at our small table in the corner (we sat closely together with my husband Lucas de Groot, others joining in); the conversations became more exciting and personal by the minute. Rich Roat has campfire qualities: you sit down with him and it will be nice and warm. And you stay, for it does not get boring. It only gets better. It keeps on shining.

We all would have liked to stay with him much longer.

So hard to imagine, so sad to hear that Rich Roat has died (aged 52). Like a frightening wildfire it run through the type design community; how sad it must be for his family, friends and companions to lose him. Our thoughts are with them. Rich Roat was married (to author Sharon Huss Roat) and a father of two (Sebastian and Anna) and nestled in his neighborhood in suburbian Hockessin, Delaware. He was a dedicated volunteer in the local fire department, a happy sportsman (swimming, cycling), owner of a vintage BMW motorcycle and an espresso machine from 1952. In addition, Rich Roat (together with Andy Cruz) founded House Industries: surely one of the most important, influential, sympathetic contemporary design company in the US.

This is how I presented him on stage, and he liked it.

We are all very sad.

Thank you for a wonderful encounter, and more than one great talk at TYPO Berlin, dear Rich. May you rest in peace.

Rich Roat at TYPO Berlin 2017 (Photo Marc Eckardt)

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