TXET

Meine Lehre (1)

An der UdK Berlin fing alles an; hier habe ich meine Lehrkonzepte und meine Haltung zur Lehre entwickelt. 

Im Studiengang Visuelle Kommunikation, Fakultät Gestaltung der Universität der Künste Berlin erfülle ich seit 2016 Lehraufträge in den Grundlagen (den ersten beiden Studiensemestern) sowie in einer weiterführenden Fachklasse. Im Folgenden veranschauliche ich, was ich in den jeweiligen Seminaren anbiete, zeige Arbeitsergebnisse der Studierenden und gebe Einblicke in meine Lehrkonzepte und Inhalte.

Universität der Künste Berlin

Das Designstudium entmystifizieren

Meine erste Aufgabe an der UdK Berlin war der Aufbau des Basics Blog zusammen mit Thomas Lehner. Als Künstlerischer Mitarbeiter bei Prof. Ulrich Schwarz hatte mein ehemaliger Edenspiekermann-Kollege die großartige Idee, eine von Erst- und Zweitsemestern der Visuellen Kommunikation betreute Plattform zur Dokumentation der Grundlehre zu entwickeln. So können auch Externe die Lehrkonzepte der Dozierenden und die Lernerfahrungen der Studierenden nachvollziehen – aus erster Hand.

Visuell stand das Layout, war die Website entwickelt, als Thomas mich für den verbalen Part des Basics Blog dazu holte. Gemeinsam mit ihm und den Studierenden habe ich das grundlegende Textformat, ein Headline-Konzept und sprachliche Regeln für den Blog definiert, die erste Redaktion etabliert (mit Miriam Kadel als Projektmanagerin sowie Alix Stria und Judith Holly als Chefredakteurinnen), und das studentische Redaktionsteam zwei Jahre lang in Workshops und Seminaren begleitet.

Der Basics Blog, das bestätigt sich bis heute, ist ein langfristig angelegtes Grundlagenprojekt, in dem die Teilnehmenden redaktionelle Arbeit erlernen, die Beschreibung ihrer Projekte und den Übertrag ins Digitale praktizieren; letzteres entpuppte sich gleich anfangs als besonders spannende Herausforderung. Auf der TYPO Berlin 2018 trugen die beiden ersten Chefredakteurinnen vor: „Das Designstudium entmystifizieren: der UdK Basics Blog“. Blog und Redaktion werden nun eigenständig fortgeführt und semesterweise neu besetzt.

Wie Text und Bild zusammenwirken

In Ergänzung zu Thomas Lehner und Professor Schwarz erfüllte ich weitere Lehraufträge, die von den Studierenden auf dem Basics Blog dokumentiert worden sind: zum Thema Bildbeschreibung bzw. der Interaktion von Text und Bild und dem gestalterisch-redaktionellen Umgang damit, zur Beschreibung von Räumen und Raumerfahrungen mit frei zu wählenden verbalen und visuellen Mitteln.

Die Schulung im Schreiben, im Beschreiben von Bildern, Projekten und beispielsweise Räumen ist ein höchst wirkungsvolles, weittragendes Grundlagentraining. Die Studierenden lernen und üben von Anfang an, dass – und wie vielfältig! – sie Sprache als Gestaltungsmittel in ihrer Projektarbeit nutzen können; aber auch, dass Sprache der Ideenfindung, der Konkretisierung und Präzisierung, der Konzeption, Kommunikation und der Selbstpräsentation dient.

Exkurs: Design Writing

Der noch relativ junge Begriff Design Writing bringt die wichtige Rolle von Sprache und Text in Gestaltungsberufen ebenso diffus schillernd wie verlockend einfach auf den Punkt. Meinem Kenntnisstand nach ist von Design Writing häufig im Zusammenhang mit Editorial Design und Journalismus die Rede. Design Writing bezieht sich auf das Schreiben über Design und den dahingehenden medialen Nutzen von Sprache, weniger auf Sprache als Gestaltungsinstrument.

Vielen visuell Gestaltenden jedoch ist nicht bewusst, wie sehr Sprache zu ihrem Gestaltungserfolg, zur Wirkung ihrer Projekte beiträgt oder beitragen würde, und welchen Schatz sie an der Hand hätten, würden sie bewusst mit Sprache gestalten – Sprache mitgestalten.

Insofern sind Text-Grundlagen-Workshops bei den „Basics“ (so nennen sich die Grundstudierenden in der Visuellen Kommunikation UdK-intern), ist Texthandwerk für Studierende in Gestaltungsdisziplinen generell höchst sinnvoll. Idealerweise, wie bei jedem Projekt auch später im Beruf, kombiniert mit oder hinführend zu bildnerischen Mitteln – zum Beispiel der eigenhändigen Erstellung von Plakaten im Buchdruck.

Welches Wort ist es wert, gedruckt zu werden? 

Diesen Workshop habe ich (Lehrauftrag Text) zusammen mit Ferdinand Ulrich (Lehrauftrag Bild) durchgeführt, eine ideale Konstellation, wie sich zeigte. Meine Rolle bestand darin, mit den rund 30 Studierenden Wörter zu destillieren und darüber zu diskutieren, warum diese Wörter für uns von Bedeutung sind – bis die jeweilige Dreier- bis Vierergruppe sich für ein Wort entschied, das in den Druck gehen sollte. Dieser zweite Teil des Workshops, das Setzen und Drucken erfolgte (wiederum in Gruppen) als zweiter Teil des Workshops unter Anleitung von Ferdinand in der Druckwerkstatt P98a von Erik Spiekermann.

Ich wüsste nicht, wie der Umgang mit Wörtern einfacher, haptischer und plastischer erfolgen könnte. Kaum ein Workshop könnte für Kommunikationsstudierende sinnvoller sein, zumal in ihrem ersten Studienjahr, um ihnen ein grundlegendes Verständnis für das Zusammenspiel von verbaler und visueller Kommunikation zu vermitteln.

Projekt- und Ausstellungstexte in der Klasse Werbung

Ebenfalls im Medienhaus am Kleistpark, Sitz des UdK-Studiengangs Visuelle Kommunikation, habe ich Lehraufträge in der Klasse Design für Wirtschaft und Werbung von Prof. Uwe Vock erfüllt. (Der Studiengang Visuelle Kommunikation gliedert sich nach dem Grundstudium, also nach den ersten beiden Semestern, in sieben Fachklassen/Entwurfsbereiche: von Grafik-Design über Raumgestaltung bis Bewegtbild.) Während eines Freisemesters von Prof. Vock durfte ich als Gastlehrende für Text mit seiner Künstlerischen Mitarbeiterin Gosia Warrink zusammenarbeiten. Ihr zweisemestriges Projekt im Bereich Spekulatives Design resultierte in der Ausstellung „Mother“ im Rahmen der transmediale 2020; hierfür habe ich im Sommer 2019 ein mehrstufiges Textseminar und abschließend im Winter einen Workshop gegeben.

So konnte ich die Studierenden der Klasse Werbung schon in der Konzeptionsphase anleiten, dann bei der Benennung ihrer Projekte, der Headline-Entwicklung und schließlich bei der Erarbeitung ihrer Präsentationstexte auch für die Ausstellung.

Paradigmenwechsel: der Rundgang 2019

Ein weiteres Projekt mit Gosia Warrink – die im Winter 2019/20 parallel zu ihrer Künstlerischen Mitarbeit an der UdK Berlin eine Gastprofessur in Salzburg innehatte – war die konzeptionelle Entwicklung der Plakate bzw. des Key Visuals, des Kampagnenmotivs, für den „Rundgang“.

Der Rundgang ist der feierliche Abschluss des akademischen Jahres an der UdK. 2019 fand er zum vorerst letzten Mal in gewohnter Form statt, nämlich als kulturelles Großereignis im Berliner Sommer. Entsprechend wichtig ist die Gestaltung des Plakates (und damit des Key Visuals für die gesamten Werbemittel der begleitenden Kampagne); die prestigereiche und verantwortungsvolle Aufgabe wird traditionell und logischerweise an eine Klasse im Studiengang Visuelle Kommunikation vergeben.

Paradigmenwechsel: Das von Johanna Rummel aufwändig entwickelte Key Visual zur Rundgang-Kampagne 2019 (Copyright auch für dieses Foto bei ihr und der UdK).

Die Studierenden entwickeln je ein Plakat und das beste Plakat gewinnt; es findet praktisch ein klasseninterner Plakatwettbewerb statt. Auch gegenüber der UdK-Marketingabteilung geht es darum, nicht in erster Linie die knalligste visuelle Version, sondern das schlüssigste Konzept abzuliefern – und mit diesem Konzept zu überzeugen. Das haben wir geübt: Warum passt mein Plakat zum Rundgang, wie reflektiert es die UdK Berlin? Die Motive standen, die Studierenden präsentierten sie mehrstufig (zunächst in Beschreibung ihrer Prozesse). Sie fassten, von mir angeleitet, ihre Gedanken dazu immer präziser in Worte.

Von zentraler Bedeutung beim Erarbeiten der Texte war die Namensfindung für die Konzepte – um sich der eigenen Kernidee bewusst zu werden und diese klar und überzeugend vermitteln zu können.

Die Präsentation der Klasse für die Marketingabteilung der UdK war dann auch ein voller Erfolg. UdK-Marketingleiterin Dr. Michaela Conen wählte nicht nur ein Plakat, sondern drei als besonders passend aus und präsentierte alle zwölf vorgestellten Plakate zum Rundgang im Foyer des Hauptgebäudes der Hochschule in der Berliner Hardenbergstraße.

Plakate als Denkfenster

Auf dem Titel des zweisprachigen UdK-Programmheftes, auf dem sechsseitigen Tagesspiegel-Beileger, auf sämtlichen Begleitmedien zum Rundgang, online wie offline, und natürlich auf den stadtweit ausgehängten Plakaten ist als Key Visual das Farbobjekt zu sehen, das Johanna Rummel entwickelt und mit „Paradigmenwechsel“ betitelt hat. Ihre konzeptionelle Beschreibung, ausgehend von einem „Standpunkt, der verschiedene Bedeutungen in sich trägt“, findet sich als Einleitung im Rundgang-Programmheft.

Das Programmheft zum Rundgang der Universität der Künste Berlin 2019.

Titel und Konzept des Key Visual dienen als inhaltliche Klammer, als Leitlinie zur Jahresschau der Hochschule.

Designerin-Studentin Johanna Rummel aus der Klasse Werbung vor der Plakatwand mir ihrem und den 11 weiteren Plakaten.

Ihr Kommilitone Moritz Morsbach beispielsweise interpretiert den Rundgang der UdK als „Aufmachung“. Auf seinem Plakat zeigt er ein übergroßes offenes Vorhängeschloss (mit dem Datum des Rundgangs als Zahlencode), denn „die Universität der Künste Berlin macht auf, sich selber und für alle“, wie Moritz in seinem Begleittext erklärt. Er belegt damit Platz drei in der Gesamtbewertung; die drei passendsten Plakate wurden zusätzlich als Postkarten zum Rundgang gedruckt.

Suorui Zhao thematisiert die Tatsache, dass unser Auge „als emotionaler Kommunikationsträger und Verbindung mit der Außenwelt“ fungiert, und nennt seine Arbeit „Denkfenster“. Dieses Naming sowie seine visuelle Umsetzung (auch als Bewegtbild) brachten Suorui Zhao auf Platz zwei in der Gesamtschau der Rundgang-Plakate 2019. Von Suorui haben wir in der Klasse gelernt, dass das Wort (das Wortzeichen) Auge im Chinesischen aus den Zeichen für Denken und Fenster zusammengesetzt wird, und ihn ermutigt, das Prinzip der Wortzusammensetzungen im Deutschen entsprechend zu nutzen.

Interkulturelle Begegnungen unter Design-Studierenden wirken sich auch verbal höchst produktiv aus und bringen eine besondere Poetik in die Textklassen.

 

Soviel zu meiner bisherigen Lehrtätigkeit an der UdK. Sehr schön auch, dass ich mit Prof. David Skopec, Leiter des Entwurfsbereichs Visuelle Systeme und Direktor der Fakultät Gestaltung, die Herausgabe seiner Publikation „Wenn und Aber. Visuelle Kommunikation an der UdK Berlin“ redaktionell betreuen durfte.

UdK Publikation

Das Buch gibt (zweisprachig deutsch und englisch) einen Überblick zum Studiengang, macht die Lehrkonzepte der Dozierenden transparent und zeigt herausragende Arbeiten von Studierenden der letzten Jahre. Ein Grundlagenwerk also, denn der Studiengang Visuelle Kommunikation wurde zuletzt zehn Jahre zuvor und nie so umfassend dokumentiert wie hier. 

Professor Skopec hielt sein Kollegium dazu an, in eigenen Worten ihr Tun zu beschreiben. Von meiner Seite waren Fingerspitzengefühl und konzeptionelle Übersicht gefragt. Wir wollten Vielstimmigkeit, jede Lehrperson in ihrer Individualität, aber auch das Kollegium als geschlossenes, sich fachlich ergänzendes Ganzes abbilden. Die Texte formal vereinheitlichen, nach aktuellem Stand der Konsensbildung? Gastlehrkräfte nennen? Die Gender-Debatte sprachlich reflektieren, und wenn ja, wie? Es stellten sich inhaltliche wie stilistische Fragen.

Ich habe die Texte behutsam geglättet und nachgefasst, wo etwas fehlte. Nicht zu stark und schon gar nicht eigenwillig eingreifen war die Devise; lieber überzeugen, wenn möglich, im Sinne der Sache – so meine Arbeitsweise bei jeder Edition eines Teams.

Zur Schlussredaktion habe ich die Übersetzung ins Englische betreut, die beiden Sprachversionen abgeglichen und im letzten Durchgang vor Drucklegung das werdende Buch Seite für Seite überprüft; dies zusammen mit Lucas Liccini, einem visuellen Designer aus dem studentischen Team von David Skopec. Zusammen mit ihm haben Julie Heumüller, Catharina Sonnenberg und Piotr Zapasnik an der Gestaltung mitgewirkt. Die Übersetzung ins Englische stammt von meinem Kollegen Timothy McKeon

In seiner Einleitung beschreibt Fakultätsdirektor David Skopec Lehrhaltung, Anspruch und Angebot im Studiengang Visuelle Kommunikation der UdK Berlin.

Auf der Basis fachlicher Vielfalt erfolgt „Auseinandersetzung mit realen Themen“: Prof. Skopec veranschaulicht die Kunsthochschule als einen Ort, an dem wir uns intensiv der „Qualität im Denken und Handeln“ widmen.

Ausblick und Nebenwirkungen

Der jährliche Rundgang der UdK Berlin zum Ende des akademischen Jahres im Sommer sowie der interne, sogenannte Kleine Rundgang zum Ausklang des Wintersemesters sind mir als Dozentin natürlich eine besondere Freude. 

Zahlreiche gute Beispiele beim Rundgang zeigen gelungenes Zusammenspiel von Text und Bild und weiteren Medien. Ich entdecke Arbeiten von Studierenden, angefertigt nicht nur in meinen Seminaren, sondern auch in anderen Klassen, zu diversen Themen und Projektaufgaben. Ich erkenne sie in ihrem Sprachstil und ihrer gestalterischen Herangehensweise wieder. Ich bin beglückt über ihren Umgang mit Text; gestaltend, nicht als lästiges Beiwerk (schlimmstenfalls „ohne Titel“). Was für ein Unterschied, was für eine gesteigerte Qualität einer grafischen Arbeit und ihrer Darreichung (!), wenn der Umgang mit Sprache bewusst erfolgt.

Ich freue mich über geglückte Editorial-Formate, über den Einsatz von Sprache sowohl als Gestaltungs- als auch als Beschreibungselement, auf Ebene von Projekt und Präsentation. Ich sehe Riesenfortschritte bei einzelnen Studierenden. Neben der visuellen kommt ihre verbale Identität zum Ausdruck. Spaß an der Sache, am Material Text, wachsende sprachliche Sicherheit und konzeptionelle Stringenz werden ersichtlich.

Sprache als Aneignung eigener Mittel. Text von Irene Szankowsky. Unvergessen ihre Bildbeschreibung „Trage einen Schwan“, entstanden in einem meiner Seminare.

Der Text von oben („I am an empathetic angel“) visualisiert auf zartem Tuch in einer Installation auf dem UdK-Rundgang 2019.

Text als Kernqualifikation in Gestaltungsberufen

Ich bin davon überzeugt, und die intensive Zusammenarbeit mit Design-Studierenden macht es erlebbar: Eine künstlerische und/oder gestalterische Persönlichkeit kann sich überhaupt erst richtig entfalten, ja, entfaltet sich vor allem dann, wenn Sprache kein fremdes Feld bleibt, sondern als Ausdrucksmittel – als mögliches, einzubeziehendes Ausdrucksmittel – zumindest mitgedacht wird.

Zudem geht es, über das Studium und die Projektarbeit hinaus, um Angebot und Außenwirkung. Die Trends in der Kunst-, Design- und Kommunikationsbranche und in den Formen unserer Zusammenarbeit, die Freiberuflichkeit vieler Kreativschaffender und damit die erhöhte Notwendigkeit zu Sichtbarkeit, Selbstdarstellung und Kommunikation machen Sprache zum unausweichlichen „Tool“.

Text wird, in Zukunft noch mehr, zum Differenzierungsmerkmal – von Designerinnen und Design-Studierenden, von Kommunikationsstudiengängen und Kunsthochschulen.

Mich freut besonders, dass Studierende aus meinen Seminaren Kontakt halten und ich sie zum Teil bis zu ihren Abschlussarbeiten unterstützen und ihre weitere Entwicklung mitverfolgen kann. Nachklänge solcher Art aus meinen ersten Jahren als Lehrende werde ich in „Ausbeute 2020“ beschreiben. Neben meiner langjährigen Lehrtätigkeit an der Berliner Universität der Künste war ich ebenfalls als Gastdozentin, Vortragende, Seminar- und Workshop-Leiterin bislang an Kunst- und Designhochschulen in Halle (Saale), in Essen, Saarbrücken, Münster und in Wien tätig.

Diese Einsätze beschreibe ich in „Meine Lehre“ Teil 2.

 

 

Post navigation

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen